Road Trail Run: Testbericht: Saucony Tempus

Artikel von Marcel Krebs & Nils Scharff

Saucony Tempus (190€)

Nils: Ride, Guide, Endorphin Shift / Speed / Pro, Kinvara, Triumph – Saucony hat fast allen seiner Straßenlauf-Modelle dieses Jahr tolle Updates verpasst. Jedes dieser Modelle war letztes Jahr schon top und ist dieses Jahr durchgängig nochmal besser geworden. Der Saucony Tempus ergänzt diese nun ohnehin schon breite Produktpalette um ein weiteres, sehr spannendes Mitglied. Der Tempus vereint ein neuartiges Stabilitätskonzept mit Leichtigkeit und dem Mittelsohlenmaterial PWRRUN PB, das in Saucony’s Performance-Modellen zum Einsatz kommt. So entsteht ein Schuh, der mutmaßlich für (leichte) Überpronierer genauso gut funktionieren sollte, wie für Neutralläufer, die sich gegen Ende ihrer langen Läufe ein wenig zusätzliche Unterstützung wünschen. Gerade für die Überpronierer kommt mit dem Saucony Tempus zudem Mal wieder eine performance-orientierte Option auf den Markt, die zeigen will, das Stabilität nicht immer Schwer und langsam bedeuten muss. Er könnte somit für alle, die Stabilität in Ihren Laufschuhen brauchen, eine gute Option für Wettkämpfe auf der Marathondistanz sein. Lasst es uns gemeinsam herausfinden!

Marcel: Da Nils den neuen Saucony Tempus bereits sehr treffend in die Produktpalette von Saucony eingeordnet hat, beschränke ich mich an dieser Stelle auf meine persönlichen Erfahrungen. In der Vergangenheit haben mich sogenannte “Stabilschuhe” nie so richtig angesprochen. Diese waren mir immer deutlich zu schwer und griffen nach meinem Empfinden zu stark in die natürliche Abrollbewegung ein, was ich als (nahezu) Neutralläufer schlicht nicht benötige. 

Doch nachdem es Saucony geschafft hatte, mich vor zwei Jahren mit Einführung der Endorphin-Produktlinie zu begeistern, so weiß ich mehr und mehr auch Schuhe mit (leichter) Stabilisierungsfunktion zu schätzen. Dies liegt zum einen an meinen deutlich gesteigerten Laufumfängen im Rahmen meiner UTMB-Vorbereitung. Zum anderen jedoch an Herstellern wie eben Saucony, die dieser Schuhkategorie mit Modellen wie dem Guide 15 (meinen diesbezüglichen Testbericht findet ihr hier) oder nunmehr auch dem Tempus frischen Wind eingehaucht haben.  

Pro:

  • Die reaktive und lauffreudige Mittelsohle macht richtig Spaß (Nils, Marcel)

  • Der neuartige Stabilitätsansatz berichtigt euren Laufstil nicht, sondern führt ihn (Nils, Marcel)

  • Toller Longrunschuh für Neutral- und Stabilitätsläufer (Nils, Marcel)

  • Vielseitig für unterschiedliche Geschwindigkeitsbereiche einsetzbar (Nils, Marcel)

  • Luftiges Obermaterial, das trotzdem sehr viel Struktur bietet (Nils, Marcel)

  • Der relativ breite Leisten sollte an fast alle Füße passen (Nils, Marcel)

  • Sehr leicht für so viel Schuh und Stabilität (Nils, Marcel)

Contra:

  • Die breite Basis erscheint mir manchmal als etwas zu viel Schuh, vor allem wenn es etwas schneller wird (Nils)

  • Etwas weniger weich, als erwartet (Nils)

  • 190€ sind schon ein Wort für einen Trainingsschuh (Nils, Marcel)

Marcel Krebs ist ein begeisterter Trail- und Hindernisläufer (OCR), der zunehmend auch den Straßenlauf für sich entdeckt. Neben seiner Faszination für Laufschuh-Innovationen für Straße und Trail begeistert sich Marcel auch für technische Gadgets aller Art.

Die Kombination aus einem zeitaufwändigen Bürojob in Verbindung mit einer gewissen Verletzungsanfälligkeit im Bereich der Sehnen und Waden gibt Marcel in seinen Schuh-Reviews auch eine besondere Perspektive auf die getesteten Modelle. Nämlich weniger die des Leistungssportlers, sondern vielmehr die eines ambitionierten Freizeitläufers mit einer Vorliebe für Hindernisrennen. Wer zudem einen vergleichsweise breiten Vorfuß hat, sollte sich Marcels Eindrücke von den getesteten Modellen genauer ansehen.

Nils Scharff

Ich bin 32 Jahre jung, gebürtig aus Kassel, verheiratet mit einer wunderbaren Ehefrau und mache seit mittlerweile 6 Jahren Heilbronn und seine umliegenden Weinberge laufend unsicher. Ich habe schon mein ganzes Leben lang alle möglichen Sportarten betrieben, oft 5-7 Mal die Woche. Neben dem Laufen sind seit einigen Jahren das Klettern und Bouldern meine Sportarten. Als Läufer sehe ich mich seit erst drei Jahren. Begonnen hat alles mit einem Firmenlauf, in den ich nicht ganz unvorbereitet starten wollte. Ab dem Punkt habe ich einfach nicht mehr aufgehört. In 2017 waren es „nur“ knapp 1000 Laufkilometer, in 2018 das Doppelte, 2019 schon das Dreifache. Wichtig während all dieser Kilometer sind mir, egal ob auf Trail oder Straße, vor allem das Abschalten und die Bewegung in der Natur. Auf dem Laufband oder mit Kopfhörern werdet ihr mich nur sehr selten antreffen. Ich bin in der Zwischenzeit acht Marathons gelaufen, die PB von 2:52:38h habe ich dieses Frühjahr in Kopenhagen aufgestellt. Im Wettkampf laufe ich grundsätzlich alle Distanzen von 5km (17:32min), 10km (36:15min) über Halbmarathon (1:19:35h) bis eben zum Marathon.

 

 

Gewicht:

  Offiziell: 252g (Herren US9)

  Testschuhe: 

Nils: 278g (EU 45 / US 11)

Marcel: 274g (EU 45 / US 11)

Sprengung: 8mm (36,5mm Ferse / 28,5mm Vorfuß)

Release: Erhältlich im Fachhandel für 190€

Nils: Als ich im Winter das erste Mal vom neuen Saucony Tempus gelesen habe, war für mich sofort klar, dass es einer der interessantesten Schuhe des Jahres sein würde. Mein erster Gedanke war “ein Endorphin Speed mit mehr Stabilität” – und das wäre aus meiner Sicht eines leichten Überpronierers ein regelrechter Traumschuh!

Doch auch grundsätzlich gibt es einfach bisher wenige Trainingsschuhe, denen die hochentwickelten “Superschäume” aus dem Wettkampfbereich gegönnt werden. Auf die aussterbende Art der Stabilitätsschuhe trifft das noch deutlich stärker zu. Es scheint immer weniger davon zu geben und im Performance-Bereich ist ein Stabilitätsschuh eine regelrechte Rarität. Ich habe gerade erst gehört, dass sowohl der Saucony Fastwitch als auch der ASICS Gel DS Trainer, die beide über Jahrzehnte das Segment der leichten und schnellen Stabilitätsschuhe geprägt haben, eingestellt werden sollen. Der Tempus kommt da also gerade recht und verspricht Stabilität, ein neues, reaktionsfreudiges Dämpfungsmaterial sowie eine der Zeit angemessene, hohe Stapelhöhe.

Die Erwartung war also groß, als ich den Sonnengelben Schuh aus dem Karton geholt habe. Der erste Eindruck war dann sofort klar: Zum einen steht der Tempus auf einer ziemlich breiten und hohen Mittelsohle und zum anderen ist er verdammt leicht, für so viel Schuh! Außerdem war sofort erkennbar, dass man beim Obermaterial ein gutes Maß gefunden hat und nicht übertrieben mit Polsterelementen umgegangen ist. Das hat Saucony dieses Jahr über alle Produktlinien ziemlich gut hinbekommen – so auch hier im Tempus.

Saucony konnte mir leider nicht meine reguläre Größe US 10.5 / EUR 44,5 zur Verfügung stellen. Stattdessen ist mein Testmuster eine US11, also eine halbe Größe größer als gewohnt. Der Passform tut das allerdings keinen Abbruch. Ja, der Schuh ist minimal zu lang, doch dank des guten Obermaterials sitzt mein Fuß trotzdem sicher im Schuh. Grundsätzlich ist der Tempus etwas breiter geschnitten, als andere Saucony Modelle wie bspw. der Endorphin Speed. Entsprechend sollte er an fast alle Füße passen.

Marcel: Unsere regelmäßigen Leser wissen, dass Nils und ich oft und gerne Schuhe gemeinsam testen. Neu hingegen ist, dass wir den Schuh in der gleichen Größe erhalten. Für mich war das Testmodell somit eigentlich eine Größe zu groß. Allerdings ließ sich diese Differenz mittels eines kleinen Fersenpolsters sehr leicht beheben. Dies möchte ich auch allen Lesern empfehlen, die einen Schuh einmal zu groß kaufen oder unterschiedliche lange Füße haben (hat nahezu jeder, nur der Unterschied ist oftmals nicht so groß, dass dies großartig auffällt). Somit saß der Testschuh nach dieser kleinen Anpassung wie angegossen. 

Hieran hat vor allem das tolle Obermaterial entscheidenden Anteil. Vor allem im Vorfußbereich ist dieses herrlich atmungsaktiv. Auf dem Foto oben sind die “Lüftungsschlitze” sehr gut erkennbar. Diese sorgen zudem auch für etwas Stretch, was meinem breiten Vorfuß sehr entgegenkommt. 

Und auch optisch ist der Saucony Tempus sehr gelungen und passt mit seinem leuchtenden Gelb perfekt in den Sommer. Zudem fällt er größengerecht aus (“true to Size”) – ihr könnt’ also bedenkenlos zu Eurer “Stammgröße” greifen.

Nils: Das Engineered Mesh aus dem das Obermaterial besteht, ist relativ dicht. Es erinnert fast schon an einen Trailschuh und sorgt für zusätzlichen Halt und Stabilität. Im Vorfußbereich sind große Lüftungsschlitze eingearbeitet, die dort für gute Atmungsaktivität sorgen. Der restliche Schuh könnte für die heißen Sommermonate aber ruhig etwas luftiger daherkommen. 

Der Vorfuß wird beidseitig durch eine Verstärkung etwa auf höhe des Fußballens unterstützt. Darüber hinaus spielt sich das meiste rund um den Einstieg des Tempus ab. Hier findet sich eine weit um den Fuß herum reichende Fersenkappe, sowie der schon aus dem letztjährigen Endorphin Pro 2 bekannte “A Strap”. Dieser ersetzt ein Schnürloch durch eine außen am Schuh angebrachte Lasche und sorgt so für einen hervorragenden Halt rund um den Mittelfuß.

Der Grad der Polsterung des Saucony Tempus ist am unteren Ende der Skala – aber vollkommen ausreichend. Frei nach dem Motto – so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Dies gilt auch für die beidseitig vernähte Zunge, die den Fußspann gut vor den flachen Schnürsenkeln schützt.

Toll: Saucony hat zusätzliche, reflektierende Elemente aufgebracht. Außerdem soll das Obermaterial zu großen Teilen aus recyceltem Material bestehen, was mich natürlich sehr freut und in Zeiten von Mikroplastik etc. sicherlich auch notwendig ist. Konsumgüter wie bspw. Laufschuhe sind leider ein nicht zu vernachlässigender Teil des Problems, weshalb es mich freut, dass die Hersteller sich dem Thema immer mehr annehmen.

Marcel: Tja, was schreibt man, wenn man seinem Testkollegen uneingeschränkt zustimmt und dieser bereits nahezu allen relevanten Punkte erwähnt hat? Am besten genau dies würde ich sagen;-) Besonders hervorheben möchte hierbei die gelungene Balance zwischen niedrigem Gewicht und Komfort. 

Sowohl die Zunge als auch die Fersenkappe sind komfortabel gepolstert aber auch genau auf das Polsterungsniveau minimiert, dass man denkt “genau richtig, weniger sollte es jedoch auch nicht sein”. 

Durch die sehr luftige Zehenbox fällt es für mich nicht weiter ins Gewicht, dass das übrige Obermaterial deutlich dichter und fester ist. Hierdurch wird der Schuh deutlich stabilisiert und ich habe auch bei Temperaturen um die 30 Grad nicht geschwitzt. Von daher aus meiner Sicht eine wohl durchdachte Kombination.

Nils: Was Saucony mit der Mittelsohle des Tempus anstellt, ist ehrlicherweise nicht ganz neu, aber sehr, sehr gut ausgeführt. Die Idee ist, die reaktiven Eigenschaften des modernen PWRRUN PB Materials zu nutzen, sie jedoch durch “Leitplanken” aus einem festeren Material – PWRRUN – zu unterstützen. So wird der Abrollvorgang des Läufers gelenkt ohne wie früher üblich harte, mediale Stützen zu nutzen.

PWRRUN PB ist genauso wie bspw. Nike’s ZoomX ein sog. PEBA Schaumstoff (Polyether-Block-Amid) der sehr leicht ist und ein hohes Maß an Energierückgewinnung bietet. Im Vergleich zu anderen Konkurrenzprodukten ist es sogar eher auf der härteren Seite, aber dennoch weicher als die meisten herkömmlichen EVA-Dämpungsschäume wie Saucony’s PWRRUN. Deshalb wird letzteres für die besagte Führung des Fußes genutzt. Diese startet im oberen Bereich der Ferse, wo der feste Stoff wie Hufeisen geformt ist und so die rückwirkenden Kräfte aufnimmt. Von dort umschließt dieses Hufeisen wie eine Spange die durchgängige PWRRUN PB Mittelsohle. Diese Spange ist asymmetrisch und auf der medialen Seite ausgeprägter, als auf der lateralen. Die Ausläufer der PWRRUN-Spange verlaufen dann weiter bis in den Vorfuß, wo sie nun unter der weicheren PWRRUN PB Sohle sitzen und dort für mehr “Snap” unter den Zehen sorgen.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass die Mittelsohle derart gestaltet ist, dass das Fußbett unterhalb der seitlichen Außenwände liegt. Der Fuß steht also mehr oder weniger in der Mittelsohle, statt nur darauf. So wird ein beträchtliches Maß inhärenter Stabilität erzeugt.

Marcel: Auf dem obigen Bild lassen sich die beiden unterschiedlichen Mittelsohlenmaterialien, die Nils bereits so treffend beschrieben hat, sehr schön erkennen. So wird sehr gut verdeutlicht, wie die Kombination aus Vortrieb und Stabilität beim Saucony Tempus erreicht wird. Und dies funktioniert nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. 

Konkret bedeutet dies, dass der Tempus insbesondere im Vergleich zum Endorphin Speed 1 und 2 aus dem Hause Saucony deutlich stabiler ist (der Unterschied zum ES3 fällt da schon deutlich geringer aus, siehe auch mein englisches Preview auf Basis eines Vorserienmodells; der vollständige abschließende Testbericht folgt voraussichtlich in Kürze). Und dies liegt längst nicht nur an der breiteren Basis (Leisten), sondern auch maßgeblich am Zusammenspiel des festeren PWRRUN Mittelsohlenschaums mit dem weicheren und reaktiveren PWRRUN PB.  

Nils: Das Zauberwort in Bezug auf die Außensohle des Saucony Tempus lautet XT-900. So heißt das Sohlengummi in Sauconys Straßenlaufschuhen zwar schon länger, doch anscheinend wurde es überarbeitet und wird entsprechend in den diesjährigen Modellen auch explizit beworben. Und tatsächlich: Während die letztjährigen Modelle noch Traktionsprobleme auf nassen Straßen aufwiesen, scheint der Grip des neuen Gummis unter allen Bedingungen besser zu performen. Es ist zwar immer noch kein Vibram Megagrip, aber auch kein Grund mehr zur Beschwerde.

Das Sohlenmuster mit den nach vorn gerichteten Pfeilen ist sehr ähnlich zu dem der Endorphin Modelle. Ich bin der Meinung, dass sowohl das schwarze auch als das rote Gummi die gleiche Härte aufweist, hier also keinen speziellen Abstufungen vorgenommen wurden. Die Traktion ist insgesamt gut und funktioniert auch in Parks oder auf Forstwegen. Die Haltbarkeit scheint nach nunmehr 160km im Saucony Tempus auch vollkommen in Ordnung zu sein.

Marcel: 

Wie man auf dem Foto denke ich ganz gut erkennen kann, hat Saucony trotz des geringen Gesamtgewichts keinesfalls an der Menge des Außengummis gespart. An den entsprechenden Abriebstellen ist die Außensohle sehr großzügig dimensioniert und profiliert. Dies hat neben einer langen Lebensdauer auch noch den positiven Nebeneffekt, dass die Mittelsohle an den nicht gummierten Stellen einen größeren Abstand zum Boden aufweist, und dementsprechend etwas mehr geschützt ist. Einen nennenswerten Abrieb oder anderweitige Schädigung konnte ich an diesen Stellen jedoch nicht feststellen. Durch die lediglich selektive Gummierung der Außensohle wird deren Flexibilität zum verstärkt, was sich positiv auf den Abrollvorgang auswirkt. Gleichzeitig ist sehr schön zu erkennen, dass sich Saucony auch bei der Gestaltung der Außensohle Gedanken um das Thema ‘Stabilität’ gemacht hat. Im Gegensatz zur Innenseite ist die Gummierung nämlich auf der lateralen (Außen-) Seite des Schuhs durchgehend (gut am schwarzen “Verbindugnselent” zu erkennen).

Auch in Sachen Traktion ist die überarbeitete Gummimischung ein Fortschritt. Während Modelle der Vorjahre mit einem ähnlichen Sohlenprofil wie z.B. der Shift 1&2 lediglich eine sehr geringe Profiltiefe und eine eher mittelmäßige Traktion aufwiesen, kommt der Tempus deutlich “griffiger” daher und bietet auch in Kurven sicheren Halt.

Nils: Das Resultat der in den vorherigen Kapiteln dargestellten Konstruktion, ist eine eher feste Mittelsohle, die für ein hohes Maß an Stabilität sorgt, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Meine Überpronation ist am rechten Fuß deutlich stärker ausgeprägt als am linken. Rechts kann ich deshalb einen größeren Effekt wahrnehmen – hier wird mein Fuß spürbar gelenkt. Doch links, wo ich neutral laufe, fühlt sich der Saucony Tempus auch genau so an – neutral.

Deshalb glaube ich, dass der Tempus im Prinzip jedem Läufertyp Freude bereiten kann. Vor allem auf den täglichen Kilometern im mittleren Geschwindigkeitsbereich und bei langen Läufen, die gern auch Mal ein bisschen zügiger ausfallen dürfen, macht er richtig Spaß und kann seine Stärken entfalten. Man läuft nicht auf einem weichen Trampolin, wie man es ggfs. von einem “Superschaum” erwarten würde. Stattdessen ist mit jedem Schritt eine kontrollierte und zielgerichtete Energierückgewinnung spürbar.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass der Saucony Tempus für sehr langsame Ausdauer- und Erholungsläufe zwar grundsätzlich alles mitbringt – eine schonende Mittelsohle und Stabilität für müde Beine – doch für solche Läufe würde ich vermutlich eher zu einem noch weicheren Schuh wie etwa dem Triumph greifen. Am anderen Ende der Skala macht PWRRUN PB zwar auch bei hohen Geschwindigkeiten Spaß, doch die breite Basis des Schuhs wäre mir zumindest für Intervalle auf der Bahn etwas zu viel des Guten. Der Saucony Tempus kann all diese Dinge – doch wenn man auf eine Rotation aus mehreren Schuhen zurückgreifen kann, sitzt er eher in der Mitte.

Marcel: Das Zusammenspiel aus reaktiver Mittelsohle, breiter Basis und leichter Stabilisierung führt zu einem tollen Laufgefühl über fast alle Geschwindigkeitsbereiche hinweg. Am besten funktioniert der Tempus für mich jedoch bei flotten Dauerläufen. Hier spürt man einen motivierenden Vortrieb kombiniert mit einer gewissen Stabilität wenn die Beine zum Ende hin müder werden. Eine sehr vorteilhafte Kombination. 

Zusammenfassung und Empfehlung

Nils: Und, hat der Saucony Tempus eure Erwartungen erfüllt? Meine zu größten Teilen schon und das obwohl sie wie eingangs erwähnt ziemlich hoch waren! Einen Endorphin Speed mit Stabilität würd ich ihn tatsächlich nicht nennen, dafür mag ich schnelle, leichte Schuhe doch einfach zu gern – vor allem für die schnelleren Workouts. Trotzdem springt der Tempus genau dort in die Kerbe, wo mich der Speed in der Vergangenheit aufgrund seiner mangelnden Stabilität meist im Stich gelassen hat. Vor allem gegen Ende langer Läufe brauche ich i.d.R. einfach mehr Unterstützung – und diese finde ich im Saucony Tempus! Er ist ein herausragender Longrun-Schuh für Stabilitäts- wie Neutralläufer und kann darüber hinaus auch noch alles andere ziemlich gut.

Die Kombination aus PWRRUN und PWRRUN PB ist hervorragend gelungen, läuft sich smooth und energetisch. Die Außensohle ist gut, das Obermaterial ebenso. Hier gibt es von nichts zu viel oder zu wenig. Einzig ein weniger luftiger dürfte der Schuh sein. Wer also einen Schuh mit “Superschaum” aber ohne Karbonfaserplatte sucht, sollte sich den Tempus unbedingt Mal ansehen. Ebenso alle, die vielleicht noch einen Trainings- und Wettkampfschuh für den Herbstmarathon suchen, aber denen die schnellen Superschuhe einfach zu aggressiv sind. Und alle anderen eigentlich auch, denn der Saucony Tempus ist einfach ein richtig gut gelungener Stabilitäts- / Dailytrainer.

Laufgefühl: 9 – Passform: 8.5 – Wert: 8 – Stil: 9

Marcel: Der Saucony Tempus ist einer jener Schuhe, der ziemlich exakt das liefert, das Produktbeschreibung und Datenblatt vermuten lassen. Der Tempus ist sehr lauffreudig und gleichzeitig auch stabil, ohne dass sich der Fuß gelenkt oder gar “auf Schienen” anfühlt. Seine Stärken kann er aus meiner Sicht vor allem bei flotten Dauerläufen komplett ausspielen, funktioniert jedoch auch in den angrenzenden Geschwindigkeitsbereichen. 

Wer sich nicht gleich eine ganze Laufschuhrotation aufbauen kann oder will, findet im Saucony Tempus zudem einen sehr guten Allrounder, der vielseitig einsetzbar ist. Einzig der Preis scheint – trotz allseits steigender Kosten – etwas hoch angesetzt.

Marcel’s Punktzahl: 8.85/10

Laufgefühl: 9 – Passform: 9 – Wert: 8 – Stil: 9

Marcel: Der Saucony Guide 15 war für mich eine positive Überraschung und der erste Stabilschuh, der mir auch richtig Spaß gemacht hat und sich bis heute in meiner Schuhrotation befindet. Dies ist mit eines der größten Komplimente, die man als Schuhtester einem Modell machen kann, das bereits mehrere Monate auf dem Markt ist. Der Guide 15 hat ein insgesamt atmungsaktiveres Obermaterial, wobei dieses beim Tempus im Bereich der Zehenbox auf jeden Fall ebenbürtig ist. Wer so wie ich einen breiten Vorfuß hat, findet im Tempus die etwas geräumigere Zehenbox. Eng sind jedoch beide nicht. Die Mittelsohle des Guide 15 ist fester, da sie durchgehend aus aus PWRRUN Mittelsohlenschaum besteht. Zudem ist der Guide gut 20g schwerer. Insgesamt vermittelt der Tempus mehr Lauffreude und deckt ein breiteres Spektrum an Geschwindigkeitsbereichen ab. Dafür ist der Guide 15 deutlich stabiler aufgrund des im Fersenbereich befindlichen und von Saucony “Hollow-Tech” getauften Stabilisierungselements. Wer lediglich geringe Stabilisierung benötigt und auch gerne einmal flotter unterwegs ist, greift daher zum Tempus, wer den Fokus auf Stabilität legt, zum Guide. Beide EU44 / US 10.

… 

Saucony Endorphin Shift 1 / 2 ( Shift 1 (engl.), Shift 2 (dt.))

Nils: Der Shift ist ein neutraler Schuh, der trotzdem sehr stabil daher kommt. Im Vergleich zum Tempus kommt er mit einer ausgeprägten Rocker-Struktur daher, der sog. Speedroll Technologie. Das Laufgefühl ist deshalb gänzlich anders. Beide Schuhe können sehr ähnliche Geschwindigkeitsspektren abbilden, doch der Tempus bietet wie erwartet deutlich mehr Energierückgewinnung und ist etwas weicher, während der Shift mit seiner festeren PWRRUN Mittelsohle naturgemäß eher rollt. Beide haben sehr ähnliche Passformen, der Shift ist aber etwas luxoriöser gepolstert. Beide EUR 44,5.

Marcel: Hinsichtlich der Rocker-Konstruktion schließe ich mich Nils voll und ganz an, möchte jedoch hinsichtlich der Passform deutlich unterscheiden: Der Tempus verfügt von den drei Modellen über die geräumigste Zehenbox – nicht zuletzt aufgrund des im Vorfußbereich angenehm weichen Obermaterials. Kurz dahinter folgt der Shift 1, der ebenfalls über ein recht weiches Upper verfügt. Der Shift 2 ist in der Zehenbox jedoch (aus meiner Sicht leider) recht eng, was nicht nur an der recht spitz zulaufenden Passform sondern vor allem auch an der sehr festen äußeren Duo-Mesh-Schicht liegt, die über keinerlei Stretch verfügt. Ob man dies mag oder nicht ist wie so oft Geschmackssache bzw. abhängig von der individuellen Fußform. 

Saucony Ride 15 (English Review)

Nils: Der neue Ride hat an Stapelhöhe dazu gewonnen und ist auf dem Papier dem Tempus sehr ähnlich. Er ist jedoch nochmal leichter und fühlt sich auch so unterm Fuß an. Obgleich er für einen Neutralschuh ziemlich stabil ist, sollten Personen, die Stabilitätsschuhe brauchen, doch eher zum Tempus greifen. Für den Tempus spricht natürlich die Energierückgewinnung des PWRRUN PB. Doch ich würde nicht sagen, dass er sich dadurch schneller anfühlt als der wirklich gelungene Ride. Für Neutralläufer würde ich den günstigeren Ride empfehlen. Wer sich jedoch vor allem gegen Ende seiner Longruns nach etwas zusätzlicher Stabilität sehnt, sollte dem Tempus Mal eine Chance geben. Beide EUR 44,5.

Marcel: Der Triumph 19 war einer meiner Favoriten des vergangenen Jahres. Dies lag zum einen an seiner hervorragenden Passform und dem großartigen Tragekomfort. Zum anderen jedoch auch an seiner sehr angenehmen Dämpfung. All diese Eigenschaften machen den Triumph 19 zu einer tollen Ergänzung zum Tempus: Triumph für Erholungsläufe und all jene, die einen luxuriösen Komfortschuh suchen, wer es gerne auch mal schneller mag einschließlich lauffreudiger Mittelsohle mit sanfter Stabilisierung, greift zum Tempus. Beide EU 44 / US 10.

Nils: Der Speed ist deutlich schmaler, sowohl in Sachen Passform, als auch im Bereich der Mittelsohle. Zudem fehlt ihm die stabilisierende Spange aus PWRRUN, was ihn für mich manchmal zu instabil macht. Er läuft sich dadurch jedoch auch weicher, energetischer, schneller. Auch die verbaute Nylonplatte ist im Abrollvorgang spürbar und verhilft vor allem gegen Ende der Abrollbewegung zu einem deutlichen Vorschub. Er macht deshalb grundsätzlich mehr Spaß, wenn man das Tempo anzieht. Der Tempus  bietet dafür natürlich ein ganz anderes Level an Stabilität. Wer dieses benötigt, findet im Tempus erstmalig einen adäquaten Speed-Ersatz! Beide EUR 44,5.

Marcel: Nils hat es so prägnant auf den Punkt gebracht, dass ich dem fast nichts weiter hinzu zu fügen habe. Ergänzen möchte ich lediglich noch den deutlichen Gewichtsvorteil des Speeds gegenüber dem Tempus. Beide in Größe EU 44 / US 10. 

Craft Pro Endur Distance (German Review folgt in Kürze)

Nils: Der Craft ist für mich eine Überraschung. Er ist einer der wenigen Trainingsschuhe, die einen besagten PEBA Schaum nutzen – und das macht einfach richtig Spaß. Während der Tempus eine Art Speed mit Stabilität ist, ist der Craft eine Art Speed ohne Platte. Seine Mittelsohle verfügt über eine weite Basis und eine ausgestellte Ferse, was ihn verhältnismäßig stabil macht (jedoch lange nicht so stabil wie den Tempus). Er kommt mit 9mm Sprengung daher, die ich deutlich spüren kann und die sich für mich höher anfühlen als die 8mm im Tempus. Sein Obermaterial ist nochmal substantieller und einem Trailschuh gebührend, was ihn gemeinsam mit einer leicht profilierten Außensohle zu einer guten Option für leichte Trails macht. Er ist weicher und macht mehr Spaß, ist jedoch auch weniger kontrolliert als der Tempus. Für Longruns und Stabilitätsläufer Tempus, ansonsten Craft. Tempus 44,5 EUR, Craft 44 EUR.

Marcel: Auch hier kann ich mich Nils in nahezu allen Punkten anschließen. Lediglich den Unterschied in Sachen ‘Stabilität’ sehe ich etwas geringer, was vermutlich daran liegt, dass ich etwas neutraler abrolle als Nils. Achtung bei der Größenwahl: Craft rechnet in halben EU-Größen um. Wenn ihr also nach der US-Größe geht, seid ihr auf der sicheren Seite. Craft: EU 43,5 / US 10, Saucony: EU44, US 10)

Nils: Der Kayano ist kaum ein Vergleich zum Tempus. Er ist ein klassischer Stabilitätsschuh, wie er im Buche steht. ASICS hat dieses klassischen Ansatz mit medialer Stütze bis zur Perfektion getrieben und dank moderner Materialien ist der Schuh auch etwas dynamischer geworden. Doch er ist bedeutend schwer als der Tempus, lange nicht so lebendig und ich würde ihn niemals einem Neutralläufer empfehlen. Tempus gewinnt diesen Vergleich ganz klar. Beide EUR 44,5.

Nils: adidas hat im Solarboost einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt, wie Saucony mit dem Tempus. Jedoch wurde Boost als weiches, energetisches Material benutzt. Dieses ist deutlich schwerer, was zu einem Gewichtsunterschied von fast 50 Gramm zu Gunsten des Tempus führt. Er läuft sich dadurch natürlich auch viel leichter, was sowohl auf langen, als auch auf schnellen Läufen von Vorteil ist. Einzig die Continental-Außensohle ist im adidas besser, ansonsten ist es ein Homerun für den Saucony. Tempus 44,5 EUR, adidas 44 EUR.

Link zum englischen RTR-Test des Saucony Tempus: HIER

Link zu allen RTR-Testberichten: HIER

Die Schuhe, die Grundlage dieses Tests sind, wurden uns von Saucony kostenlos zur Verfügung gestellt. Die dargestellten Meinungen sind unsere eigenen.

 

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