Road Trail Run: Testbericht: Saucony Endorphin Shift 3

Artikel von Marcel Krebs & Nils Scharff

Saucony Endorphin Shift 3 (150€)

Marcel: Unverhofft kommt ja bekanntlich oft, wie das Sprichwort besagt. So erging es mir, als Nils und ich gänzlich unvermittelt erfuhren, dass wir bereits im Juli den brandneuen Endorphin Shift 3 aus dem Hause Saucony testen durften. 

Dies war eine sehr erfreuliche Überraschung, war der Shift 1 doch seinerzeit einer meiner heißesten Kandidaten für den Titel Schuh des Jahres gewesen. Nachdem der Shift 2 im Vorjahr viel positives des Ursprungsmodells bewahrt hatte, jedoch ein deutlich festeres Obermaterial bekommen hatte, was zu einer deutlichen Verengung der Zehenbox führte, war ich natürlich sehr gespannt, ob sich ein weiteres Sprichwort bewahrheiten sollte, nämlich dass aller guten Dinge bekanntlich drei sind. Inwieweit dies auch auf den Saucony Endorphin Shift 3 zutrifft, erfahrt ihr in den nachfolgenden Kapiteln.

Nils: Als Saucony vor mittlerweile über zwei Jahren die Endorphin Linie herausgebracht hat, war der Shift auf dem Papier das langweiligste der drei Modelle. Keine Platte, kein Superschaum, schwerer als seine Geschwister. Doch zu meiner Überraschung hatte er am Ende der Testphase die anderen beiden Endorphins ausgestochen. Ich habe in meinem Shift 1 mittlerweile knapp 1000km abgespult und schaffe es einfach nicht, mich von ihm zu trennen. Da der Shift 2 letztes Jahr leider nicht seinen Weg zu mir gefunden hat, freue ich mich jetzt umso mehr, die dritte Iteration unter die Lupe nehmen zu dürfen. Die Erwartungen sind natürlich hoch, lasst uns gemeinsam herausfinden, ob der Saucony Endorphin Shift 3 sie erfüllen kann.

Pro:

  • Marcel / Nils: Signifikante Gewichtsreduktion (30g in einer US 10) deutlich spürbar

  • Marcel / Nils: Sehr effektive Rockergeometrie

  • Marcel / Nils: Grip und Profil der Außensohle können nunmehr überzeugen

  • Marcel / Nils: Weichere PWRRUN Formel sorgt für mehr Komfort und auch “Pop”

  • Marcel/Nils: Hohes Maß an Stabilität – ein Neutralschuh der für jeden Läufertyp funktionieren sollte

  • Nils: Geometrie im Fersenbereich holt Läufer:innen früher im Abrollvorgang ab

Contra:

  • Marcel: Im Gegensatz zum Speed 3 wurde beim Shift 3 leider das Obermaterial des Vorgängers beibehalten, dieses ist daher durch die plastikartige äußere Schicht weiterhin sehr fest, was insbesondere im Bereich der Zehenbox zu Lasten des Komforts sowie der Atmungsaktivität geht

  • Nils: Obermaterial könnte etwas luftiger sein

  • Nils: Führungskerbe in der Sohle sammelt “zuverlässig” Steine ein

  • Nils: Bleibt leider nicht so schön weiß

Marcel Krebs  ist ein begeisterter Trail- und Hindernisläufer (OCR), der zunehmend auch den Straßenlauf für sich entdeckt. Neben seiner Faszination für Laufschuh-Innovationen für Straße und Trails begeistert sich Marcel auch für technische Gadgets aller Art.

Die Kombination aus einem zeitaufwändigen Bürojob in Verbindung mit einer gewissen Verletzungsanfälligkeit im Bereich der Sehnen und Waden gibt Marcel in seinen Schuh-Reviews auch eine besondere Perspektive auf die getesteten Modelle. Nämlich weniger die des Leistungssportlers, sondern vielmehr die eines ambitionierten Freizeitläufers. Wer zudem einen vergleichsweise breiten Vorfuß hat, sollte sich Marcels Eindrücke von den getesteten Modellen genauer ansehen.

Nils Scharff: Ich bin 32 Jahre jung, gebürtig aus Kassel, verheiratet mit einer wunderbaren Ehefrau und mache seit mittlerweile 6 Jahren Heilbronn und seine umliegenden Weinberge laufend unsicher. Ich habe schon mein ganzes Leben lang alle möglichen Sportarten betrieben, oft 5-7 Mal die Woche. Neben dem Laufen sind seit einigen Jahren das Klettern und Bouldern meine Sportarten. Als Läufer sehe ich mich seit erst drei Jahren. Begonnen hat alles mit einem Firmenlauf, in den ich nicht ganz unvorbereitet starten wollte. Ab dem Punkt habe ich einfach nicht mehr aufgehört. In 2017 waren es „nur“ knapp 1000 Laufkilometer, in 2018 das Doppelte, 2019 schon das Dreifache. Wichtig während all dieser Kilometer sind mir, egal ob auf Trail oder Straße, vor allem das Abschalten und die Bewegung in der Natur. Auf dem Laufband oder mit Kopfhörern werdet ihr mich nur sehr selten antreffen. Ich bin in der Zwischenzeit acht Marathons gelaufen, die PB von 2:52:38h habe ich dieses Frühjahr in Kopenhagen aufgestellt. Im Wettkampf laufe ich grundsätzlich alle Distanzen von 5km (17:32min), 10km (36:15min) über Halbmarathon (1:19:35h) bis eben zum Marathon.

 

Gewicht:

  Offiziell: 269 (Herren US9) // 229 (Damen US8)

  Testschuh: 277g (Herren EU 44 / US 10); 285g (Herren EU 44,5 / US 10.5)

Sprengung: 4mm (39mm Ferse / 35mm Vorfuß)

Release:   Ab Oktober im Handel für 150€ erhältlich

Marcel: Normalerweise beginne ich einen Testbericht nicht mit der Optik, aber der Saucony Endorphin Shift 3 in seinem schlichten aber edlen weiß in Kombination mit den goldenen Akzenten ist wirklich schick! Da wir zudem das Privileg hatten, den Schuh bereits im Sommer testen zu dürfen, passte die Farbe auch optimal in die warme Jahreszeit. 

Was ebenfalls sofort auffällt, ist die erhebliche Gewichtsreduktion. Ein echtes Leichtgewicht ist der Shift auch in seiner dritten Auflage noch nicht, aber dazu ist er auch überhaupt nicht gedacht. Unter 280g in einer EU44 / US 10 ist für einen Schuh mit so viel Dämpfung jedoch wirklich gut. 

Etwas getrübt wurde der erste Eindruck durch das augenscheinlich nahezu unverändert vom Vorgänger übernommene Obermaterial. Hierzu unten gleich mehr. Dies war einer meiner Hauptkritikpunkte beim Endorphin Speed 2 als auch beim Shift 2, die über das gleiche Obermaterial verfügten. Hierbei handelte es sich um ein sogenanntes Duo-Mesh, dessen innenliegende Schicht sehr schön weich ist. Die außenliegende Schicht hingegen ist fest, engmaschig und nicht dehnbar. Dies hat in Kombination mit der eher pointiert zulaufenden Passform zur Folge gehabt, dass insbesondere die Zehenbox recht eng ausgefallen war. 

Beim Endorphin Speed 3 hat Saucony hier erfreulicherweise sehr konsequent in doppelter Hinsicht gegengesteuert (unseren bevorstehenden ausführlichen Testbericht zum Saucony Endorphin Speed 3 werde ich in Kürze an dieser Stelle noch ergänzen). Zum einen wurde die Basis des Schuhs deutlich verbreitert. Zum Anderen hat sich Saucony beim ES3 vom Duo Mesh Obermaterial verabschiedet und dieses durch ein herrlich weiches, leicht dehnbares und wunderbar atmungsaktives Obermaterial ersetzt. Beim Shift 3 ist das Obermaterial – und damit auch die Passform in der Zehenbox – hingegen im Wesentlichen unverändert geblieben 

Nils: Wie Marcel schon sagt, ist die komplett weiße Farbvariante des Saucony Endorphin Shift 3 wirklich gelungen. Abgerundet durch minimale, goldene Akzente ruft sie nur so nach Sommer. Gut, dass das Testpaar noch rechtzeitig zum Sommerurlaub in Mittelitalien bei mir eingetroffen ist. Ich sehe mich in dem schicken, weißen Treter schon durch Rom streifen. 

Die Passform ist typisch für Saucony ziemlich universell, aber etwas besser für schmale Füße (wie meine eigenen) gemacht. Ferse und Mittelfuß sitzen sehr sicher, im Vorfuß ist nicht massig, für mich aber genügend Platz. Der Shift 3 passt mir deshalb perfekt und Marcels Bedenken bzgl. des einschränkenden Obermaterials teile ich entsprechend nicht. Stattdessen bin ich einfach nur baff, wie viel leichter der Shift im Vergleich zu meinem zwei Jahre alten Modell geworden ist! Wenn er sich einfach nur läuft wie die Vorgänger, dabei aber 30 Gramm leichter ist, wäre ich schon höchst zufrieden!

Marcel: Wie man an der durchscheinenden Sonne gut erkennen kann, ist das Obermaterial im Vor- und Mittelfuß zwar sehr angenehm, aber auch schön durchlässig gestaltet. Was man auf den Bildern hingegen nicht so gut sehen kann, ist die oben bereits von mir erwähnte Duo-Mesh Textur. Dies bedeutet nichts anderes, als dass das Obermaterial “doppellagig” konstruiert ist. Die dem Fuß zugewandte Schicht ist angenehm weich und luftdurchlässig – ähnlich dem Obermaterial des Saucony Speed 3. Die äußere Schicht ist hingegen sehr feinpoorig bzw.engmaschig und aus einem sehr festen, eher plastik artigen Material gefertigt. Wie oben bereits angedeutet, bin ich kein Fan dieser Konstruktion. Vor allem wird hierdurch verhindert, dass sich das Obermaterial an einen eher breiten Vorfuß anpassen kann. Zum anderen vermindert dies die Atmungsaktivität und führt nebenbei auch dazu, dass sich der Schuh schwerer reinigen lässt, da der Schmutz sich leicht in der unteren Schicht festsetzt. Alles kein Beinbruch, hier würde ich mir jedoch in Zukunft wünschen, dass sich Saucony am Obermaterial des Speed 3 orientiert. Dies gilt um so mehr, da der Shift 3 von Saucony ja  (zu Recht) für die langen, eher langsamen Läufe bzw. als Daily Trainer positioniert wird, wo der Komfort eine um so größere Rolle spielt.

Die weiteren Bestandteile des Obermaterials verdienen hingegen uneingeschränktes Lob und lassen sich mit dem Prädikat “genau richtig!” kurz und knapp zusammenfassen. Die Zunge ist mit dem Schuh seitlich verbunden (“gusseted tongue”), so dass sie nicht seitlich verrutschen kann. 

Zudem ist sie schön dünn (spart Gewicht), ohne dass die Schnürsenkel unangenehm auf den Fußrücken drücken würden. Vielmehr ist die Zunge im Bereich der Schnürung mit einem neoprenartigen Overlay in Form eines Logos verstärkt, so dass der Druck sehr galant abgefedert wird. 

Die Fersenkappe ist im positiven Sinne unauffällig. Die bietet zuverlässigen Halt und guten Komfort, ohne dass ich je das Gefühl hatte, dass hier “weniger mehr” gewesen wäre. Hier hat Saucony einen sehr guten Mittelweg zwischen Gewicht und Tragegefühl gefunden.

Nils: Saucony hat es dieses Jahr in fast allen Modellen geschafft, Gewicht einzusparen. Der Shift ist keine Ausnahme und die Reduzierung der Polsterung im Obermaterial ist sicherlich einer der Gründe, die hier sozusagen weniger ins Gewicht fallen. Wie Marcel schon sagt, hat man dabei genau das richtige Maß getroffen. Polsterung und Komfort an Zunge, Ferse und Einstieg sind weder zu viel, noch zu wenig vorhanden – perfekt!

Die für Marcel einschränkenden Eigenschaften des zweilagigen Meshmaterials, sind an meinen eher schmalen Füßen nicht spürbar. Da ich jedoch einen Großteil der Testphase in sehr sommerlichen Temperaturen unterwegs war, habe ich mir ab und an eine etwas luftigere Konstruktion, ggfs. aus einem einlagigen Material gewünscht. Der Schuh ist nicht übermäßig warm oder stickig, das komplett weiße Design suggeriert jedoch auch mehr Atmungsaktivität als defacto vorhanden ist.

Die ausgiebig um den Mittelfuß platzierten Overlays sorgen gemeinsam mit der festen Fersenkonstruktion für herausragenden Halt und Stabilität. Der Endorphin Shift 3 sollte somit bestens nicht nur für Neutral- sondern auch Stabilitätsläufer:innen funktionieren.

Die Schnürung ist leichtgängig und Präzise – auch hier hat man ähnlich wie bei der Polsterung mit einfachen Mitteln ein tolles Ergebnis erzielt.

Marcel: Kommen wir nun zum Herzstück des Saucony Shift 3, der Mittelsohle. Wie ihr auf dem Foto sehr schön erkennen könnt, ist diese mit dem goldenen Akzent nicht nur sehr schick, sondern mit einer Stapelhöhe (“stack hight”) von 39mm Ferse / 35mm Vorfuß auch sehr großzügig dimensioniert. 

Hinzu kommt eine besonders dicke und komfortable Einlegesohle aus Sauconys bewährtem Mittelsohlenmaterial namens PWRRUN+.

In Kombination führt dies dazu, dass die Mittelsohle deutlich spürbar weicher geworden ist. Der Fuß steht hierbei recht tief im Schuh, was trotz der massiven Stapelhöhe zu einem sehr sicheren Sitz führt. 

Charakteristisch für die Saucony Endorphin Produktlinie ist seit jeher der Speedroll Geometrie getaufte Rocker. Dieser führt den Fuß in der Abrollbewegung und “schiebt” einen regelrecht vorwärts. Auch in der dritten Auflage ist dieser Effekt sehr deutlich spürbar. Je nach Hersteller ist die Ausgestaltung eines solchen Rockers recht unterschiedlich. Während er bei den meisten Hoka-Modellen zum Beispiel recht dezent daherkommt, ist der Effekt beim Shift 3 sehr deutlich spürbar. Besonders bemerkbar ist der Rocker hierbei am Übergang zwischen Vor- und Mittelfuß, was auch Sinn ergibt, da der Abrollvorgang und vor allem das Abstoßen der Zehen vom Boden (“toe-off”) hierdurch besonders effektiv unterstützt bzw. verstärkt wird.

Nils: Die tolle Einlegesohle war mir vor Marcel’s Hinweis ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen. Ich hatte die weicheren Eigenschaften gänzlich auf die neue PWRRUN Formel der Mittelsohle verortet. Das Ergebnis ist jedoch das gleiche: Ein deutlich weicheres und auch reaktiveres Laufverhalten als bei den Vorgängermodellen. Die weichere Mittelsohle führt außerdem dazu, dass der immer noch sehr prominente Vorfußrocker namens SpeedRoll etwas abgeschwächt wird. Doch keine Sorge, das Gefühl des nach vorn gerichteten Kippmoments ist immer noch deutlich spürbar und macht irre Spaß. Zudem wird der Abrollvorgang im Endorphin Shift 3 auch im Fersenbereich stärker unterstützt als bisher. Der dort platzierte Rückfußrocker, also eine Abrundung der Sohle im Fersenbereich, ist ausgeprägter als bisher. Wenn man über die Ferse läuft, wird der Fuß durch dieses kleine Geometriekunstwerk früh im Abrollvorgang abgeholt und entsprechend geführt. Das verhilft zu einem sehr effizienten und stabilen Laufen.

Marcel: Nachdem die Vorgängerversionen in dieser Kategorie in der Vergangenheit so ihre Schwächen aufwiesen (geringe Profiltiefe, verbesserungswürdiger Grip, insbesondere auf nassen Untergründen), hat Saucony die Außensohle des Shift 3 genau an den richtigen Punkten zielgenau verbessert. Die Profiltiefe wurde erhöht und während des ein oder anderen Sommerregens bot die Außensohle stets zuverlässigen Grip. Zudem ist das Gummierung sehr großzügig bemessen, so dass die Außensohle auch nach mehreren hundert Kilometern sicherlich kein begrenzender Faktor hinsichtlich der Haltbarkeit des Shift 3 sein wird.

Nils: Zur Außensohle gibt es naturgemäß nur wenig zu berichten. Nach gut 200 Testkilometern sieht die Abnutzung moderat aus. Die Traktion war unter trockenen Bedingungen stets gut und unter nassen Bedingungen sollte man einen Allwhite-Schuh sowieso nicht tragen.

Negativ aufgefallen ist mir lediglich die tiefe Führungskerbe im Fersen und Mittelfußbereich. Diese wirkt sich zwar positiv aufs Laufverhalten aus, sammelt aber zuverlässig mittelgroße Steine auf.

Marcel: 

Im Rahmen des Tests des Shift 3 ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass wir die von uns getesteten Modelle sehr ausführlich und unter unterschiedlichen Bedingungen laufen.

Zu Beginn musste ich mich zunächst erst einmal wieder an die recht präsente Speedroll getaufte Rocker-Geometrie des Shift gewöhnen. Seit dem Test des Shift 2 vor rund einem Jahr war ich keine derartige Mittelsohle mehr gelaufen – die Rocker-Konstruktion von Hoka ist beispielsweise wesentlich dezenter. 

Bei meinen ersten beiden – vergleichsweise kurzen – Testrunden war der Rocker im Vorfußbereich deutlich spürbar. Gar nicht mal primär aufgrund des damit einhergehenden Vortriebs, sondern vielmehr dergestalt, dass er sich für mich als Mittelfußläufer recht hart anfühlte und ich daher instinktiv über den Rückfuß gelaufen bin. Auf diese Weise konnte ich sehr “rund” abrollen und unmittelbar vom Vortrieb der Speedroll Geometrie profitieren. 

Grundsätzlich sollte man jedoch natürlich seinen Laufstil nicht nach dem jeweiligen Schuh richten, sondern umgekehrt. Die gute Nachricht ist: Das muss auch beim Shift 3 niemand tun. Denn ab meinem dritten Testlauf fühlte sich der Rocker unter dem Vorfuß viel weicher an, während der Vortrieb unverändert gut und motivierend blieb. Es sei dahingestellt, ob dies daran lag, dass die Mittelsohle zunächst “einbrechen” musste (“break in period”) oder vielleicht auch an den zwischenzeitlich gestiegenen Temperaturen oder einer Mischung daraus. Auf jeden Fall ließ sich der Shift 3 ab diesem Zeitpunkt auch über den Mittel- bzw. Vorfuß sehr angenehm und rund laufen. Mindestens genauso wichtig: Auch der Rockereffekt war und ist deutlich spürbar – unabhängig vom jeweiligen Laufstil. 

In Summe bietet der Saucony Endorphin Shift 3 ein sehr angenehmes aber nicht übertrieben weiches Laufgefühl und die Speedroll Gemotrie führt einen sanft in den nächsten Schritt, so dass man auch bei müden Beinen stets einen motivierenden Vortrieb spürt. Dies führt in Kombination dazu, dass ich den Shift sowohl als Daily Trainer als auch bei reinen Erholungsläufen gerne gelaufen bin und dies auch zukünftig tun werde.

Nils: Hier bin ich nicht ganz Marcel’s initialer Meinung. Ja, der Rocker der Speedroll Technologie ist relativ ausgeprägt. Aber gerade im Bereich der Wettkampf- und Superschuhe hatte ich schon “schlimmeres” am Fuß. Ich bin sogar der Meinung, dass durch die weichere Mittelsohle der Speedroll-Effekt etwas abgeschwächt wird. Und während im Shift 1 der Rocker noch hauptsächlich für Vor- und Mittelfußläufer funktioniert hat, holt der Shift 3 nun mit einem entsprechenden Abrollwinkel im Fersenbereich auch Rückfußläufer früher im Abrollvorgang ab. Dadurch wird der Schuh auch in langsameren Tempibereichen, bei denen man tendenziell weiter zurückgelehnt und eher über die Ferse läuft, besser nutzbar. Dass er dabei wie gesagt auch weicher ist als die Vorgänger macht ihn somit zu einer guten Wahl für langsame Einheiten und Erholungsläufe.

Fokussiert man sich dagegen auf einen ausgeprägteren Vorfußlauf und erhöht das Tempo, funktioniert Speedroll für mich nach wie vor hervorragend. Die leichte Abschwächung des Rockers wird dabei durch etwas bessere, energetische Eigenschaften des Dämpfungsmaterials PWRRUN wettgemacht. Da der Endorphin Shift 3 zudem deutlich abgespeckt hat, stellt er somit eine tolle Daily-Trainer-Option dar, in der man meiner Ansicht nach auch gut Tempoläufe absolvieren kann. Einziges Manko war bei schnellen Geschwindigkeiten (Marathonpace von 4:05 min / km und schneller) die ausgeprägte Fersenpartie – diese führt zu einer unausgeglichenen und deshalb spürbaren Gewichtsverteilung.

Marcel: Die diesjährigen Updates der Saucony Endorphin Produktlinie zeigen sehr schön, dass Saucony deutlich bemüht ist, die drei Modelle (Pro, Speed & Shift) stärker voneinander zu differenzieren bzw. Überlappungen zu verringern. Insbesondere in der ersten Version lagen vor allem Pro & Speed (zu) nah beieinander. 

Mit den diesjährigen Modellen ist die Aufteilung hingegen deutlich klarer: 

Der Endorphin Pro 3 setzt sich nach oben als reiner Wettkampfschuh ab (den entsprechenden Testbericht werde ich in Kürze an dieser Stelle verlinken).  

Gleichzeitig entwickelt sich der Endorphin Speed 3 immer mehr zu einem Daily Trainer, der auch Tempo-Einheiten hervorragend beherrscht. Grund hierfür ist vor allem der breitere Leisten in Kombination mit einer zweiten, quer zur Laufrichtung positionierten Nylon-Platte (Wings), die seitliche Stabilität verleiht. Dies wird insbesondere all jene freuen, die den Speed auch früher schon nicht nur für reine Tempoeinheiten genutzt haben und auch jene, denen die Zehenbox des Speed 2 zu eng war. Auch hier gilt: Den diesbezüglichen Testbericht werde ich in Kürze an dieser Stelle verlinken. 

Kommen wir nun zum Shift 3: Dieser ist in seiner Neuauflage noch einmal deutlich flexibler einsetzbar geworden. Gründe hierfür sind primär der deutliche Gewichtsverlust, der gestiegene Komfort aufgrund der optimierten Mittelsohle sowie der verbesserte Grip bzw. die verstärkte Profilierung.

Auf der Negativseite steht für mich vor allem das unverändert restriktiv gebliebene Obermaterial im Bereich des Mittel- und vor allem auch des Vorfußes. Hier sollte Saucony für die nächste Version ernsthaft überlegen, das Upper des Speed 3 zu übernehmen. Dieses ist nicht nur deutlich flexibler, was breiteren Vorfußen sehr zugutekommt, sondern aufgrund der großen Luftdurchlässe auch wesentlich atmungsaktiver. 

Dies gilt umso mehr, wenn man den primären Einsatzzwecks des Shifts 3 berücksichtigt. Denn dieser liegt aus meiner Sicht insbesondere bei längeren (Erholungs-) Läufen. Insbesondere für Recovery-Runs wird der Shift 3 daher auch zukünftig seinen festen Platz in meiner Schuhrotation finden. Mit etwas mehr Freiraum in der Zehenbox würde das um so mehr gelten. 

Der zweite Einsatzbereich, insbesondere für jene Läuferinnen und Läufer, die keine umfangreiche Schuhrotation aufbauen wollen, sondern nach Feierabend einfach gerne eine Runde um den Block drehen. All jene finden im neuen Endorphin Shift 3 eine tolle Option als Daily Trainer. 

Marcel’s Punktzahl: 8.80/10

Laufgefühl: 9 – Passform: 8.5 – Wert: 8.5 – Stil: 9.5

Nils: Mit dem Endorphin Shift 3 ist Saucony meiner Ansicht nach ein sehr gutes Update eines schon vorher tollen Schuhs gelungen. Der drastische Gewichtsverlust, der sich dieses Jahr in vielen Saucony Modellen finden ließ, hat auch dem maximal gedämpften Mitglied der Produktfamilie sehr gut getan. Die Kombination aus leichtgängigem Vor- und Rückfußrocker und der neuen, etwas weicheren PWRRUN-Formel machen den Schuh noch vielfältiger im Vergleich zu seinen Vorgängern. Das Obermaterial könnte noch etwas weicher und luftiger sein und so wie ich Marcel verstehe, werden alle mit breiteren Füßen nur bedingt mit dem Shift 3 glücklich werden. Doch ansonsten ist der Saucony Endorphin Shift 3 eine tolle Option für viele und lange Trainingsläufe in einem weiten Pace-Spektrum von etwa Marathongeschwindigkeit bis zu langsamsten Erholungsläufen. Auch wer plant einen Ultralauf auf moderaten Trails oder der Straße oder vielleicht den ersten Marathon zu absolvieren, sollte auf den Shift 3 Mal ein Auge werfen. Der Gewichtsverlust gepaart mit einem hohen Maß an Stabilität für die späten Kilometer machen den Shift zu einer tollen Option für diese Vorhaben!

Nils’ Punktzahl: 8.90/10

Laufgefühl: 9 – Passform: 9 – Wert: 8 – Stil: 10

Marcel: Auf diesen Vergleich war ich im Review ja bereits eingegangen, daher an dieser Stelle lediglich noch einmal zusammengefasst:  Das Obermaterial im Vorfuß ist (leider) gleich geblieben; darüber hinaus ist der neue Shift 3 dem Vorgängermodell jedoch in jeder Hinsicht überlegen: Der Shift 3 ist deutlich leichter, vielfältiger einsetzbar und auch wenn das eigentlich keine Rolle spielen sollte, sieht er im Vergleich auch noch schicker aus;-) Beide größerengerecht in EU 44 / US-10.

Marcel: Hier einen klaren Sieger zu benennen, fällt mir schwer. Dies liegt jedoch nicht an mangelnder Entscheidungsfreude, sondern an den unterschiedlichen Charakteristika dieser Schuhe: Der Guide 15 hat das deutlich weichere atmungsaktivere Obermaterial und eine weniger spitz zulaufende Zehenbox. In Summe führt dies im Vergleich zu deutlich mehr Komfort und Freiraum für den Vorfuß. Hinsichtlich der Mittelsohle liegt der Hauptunterschied in der Speedroll Geometrie des Shift 3. Wer dieser zu schätzen weiß schlägt bei Shift 3 zu, wer hingegen ein klassisches Abrollverhalten präferiert, greift zum Guide bzw. zum Ride (s. nachstehender Vergleich).  Das dritte wesentliche Unterscheidungsmerkmal ist die mediale Stütze in der Mittelsohle des Guide. Auch hier ist die persönliche Präferenz entscheidend, ob man diesen (leichten) Support wünscht oder nicht. Obwohl ich ein Neutralläufer bin, bin ich mit der Unterstützung sehr gut zurecht gekommen, ausprobieren sollte man den Schuh vor dem Kauf jedoch auf jeden Fall. Der Shift 3 bietet aufgrund seines breiten Leistens insbesondere im Fersenbereich ebenfalls sehr viel Stabilität. Hierbei handelt es sich gleichwohl um einen Neutralschuh. Beide größengerecht in Größe EU 44 / US-10.

Saucony Endorphin Speed 3 (German Review folgt in Kürze, English Review)

Marcel: Auch auf diesen Vergleich war ich im Review ja bereits wiederholt eingegangen, daher hier lediglich noch einmal in der Zusammenfassung: Beim Obermaterial liegt für mich der ES3 aufgrund seiner deutlich besseren Atmungsaktivität und Flexibilität im Bereich der Zehenbox klar vorn. Wer einen schmalen Vorfuß hat und insbesondere jetzt mit Blick auf Herbst und Winter ein eher festes und engmaschiges Obermaterial präferieren, hat der Shift 3 hingegen die Nase vorne.

 

In Sachen Stabilität und Komfort machen beide Modelle eine sehr gute Figur. Welches Modell man diesbezüglich präferiert, hängt zunächst davon ab, ob man mit (Nylon-) Platte laufen möchte (ES3) oder nicht (Shift3). Hinsichtlich des Laufgefühls ist der ES3 natürlich wesentlich “bounciger” und verfügt über die weichere Mittelsohle. Er macht auch schlicht noch “mehr Spass”. Als Daily Trainer lassen sich grundsätzlich beide  einsetzen. Sie kommen gleichwohl aus unterschiedlichen Richtungen: Wer gerne auch mal flott unterwegs ist und für Erholungsläufe vielleicht auch noch ein weiteres Paar Schuhe im Schrank hat, greift zum ES3. Er hingegen ein eher schwerer Läufer ist, der primär zur Erholung nach Feierabend läuft und einen stabilen Schuh sucht, der dennoch ohne Stütze daher kommt, angenehm leicht ist und über eine tolle Rockergeometrie verfügt, sollte sich den Endorphin Shift 3 auf jeden Fall einmal näher ansehen. Beide größengerecht in EU 44 / US -M10.

ASICS Gel-Nimbus 24 (RTR Review)

Nils: Der Nimbus ist ein klassischer Dailytrainer, der eine drastische Überarbeitung in diesem Jahr bekommen hat. Und auch wenn der Ansatz ein komplett anderer ist, ist auch dieses Update mehr als gelungen. Der Nimbus ist schwerer als der Shift, bietet jedoch durch das neue FFBlast+ Material ein tolles, trampolinartiges Laufgefühl mit viel Energierückgewinnung. Stabilität und Obermaterial sind in beiden Schuhen herausragend. Der Nimbus fühlt sich ein bisschen hochwertiger an, kostet aber auch 30€ mehr. Beide Schuhe laufen sich toll in langsamen und moderaten Geschwindigkeiten. Und während beide Modelle durchaus auch Mal schneller gelaufen werden können, hat der Shift in diesen Fällen die Nase vorn: Weniger Gewicht und etwas mehr “Snap” geben den Ausschlag. Beides sind großartige Schuhe und welchen man wählt, ist reine Geschmackssache. Soll es der Shift mit führendem Rockereffekt und hoher Stabilität  werden oder der weiche und “bouncy” Nimbus? Wählt selbst! Beide EUR 44,5.

 

adidas Boston 10 (RTR Review)

Nils: Und noch ein Dailytrainer mit einem erneut anderen Fokus. Der Boston wurde letztes Jahr rundum erneuert und ist mit seiner neuen, maximal gedämpften Ausrichtung und Rockergeometrie dem Shift nicht unähnlich. Doch während der Shift relativ leicht und angenehm bei fast jeder Laufgeschwindigkeit ist, braucht der Boston mehr Power um sein Potential zu entfalten. Die Mittelsohle aus LS, LS Pro und Energy Rods rollt vor allem während längerer Tempoläufe toll daher. Doch die ziemlich harte Mittelsohle macht auf langsamen Läufen wenig Spaß. Deshalb gewinnt der Shift auch hier dank des besseren Gesamtpakets. Beide EUR 44,5.

 

Saucony Ride 15 (RTR Review)

Nils: Der Shift mit seiner ausgeprägten Rocker-Geometrie bietet nochmal mehr Stabilität als der Ride. Er ist jedoch auch schwerer. Im Ride Review habe ich ihn als den Nachfolger meines geliebten Shift 1 ausgerufen. Jetzt muss ich eine Münze werfen, wenn ich vorm Schuhregal stehe. Shift für einen stärkeren Rockereffekt und mehr Stabilität. Ride für ein leichteres Laufgefühl und eine größere Bandbreite. Beide EUR 44,5.

Saucony Triumph 18 (RTR Review)

Nils: Tatsächlich ist der neue Shift 3 höher gedämpft als Sauconys eigene Premium-Max-Cushion-Option. Doch ganz egal wie hoch beide Mittelsohlen sind, die Dämpfung ist in beiden Fällen bodenlos. Das PWRRUN+ Material im Triumph bietet mehr Bounce, was zum Preis eines deutlich höheren Gewichts und etwas bodenlastiger Gewichtsverteilung kommt. Und während der Triumph eine tolle Option für langsame Läufe – ob kurz oder lang – ist, gewinnt der Shift diesen Vergleich dank seiner größeren Bandbreite und dem tollen, leichten Gefühl am Fuß. Ich kann mir vorstellen, dass der Triumph der bessere Schuh für schwerere Läufer ist, der Ride gewinnt jedoch für alle anderen. Beide EUR 44,5.

Nils: Der Shift ist ein neutraler Schuh, der trotzdem sehr stabil daher kommt. Im Vergleich zum Tempus kommt er mit einer ausgeprägten Rocker-Struktur daher, der sog. Speedroll Technologie. Das Laufgefühl ist deshalb gänzlich anders. Beide Schuhe können sehr ähnliche Geschwindigkeitsspektren abbilden, doch der Tempus bietet wie erwartet deutlich mehr Energierückgewinnung und ist etwas weicher, während der Shift mit seiner festeren PWRRUN Mittelsohle naturgemäß eher rollt. Beide EUR 44,5.

Marcel: Hinsichtlich der Rocker-Konstruktion schließe ich mich Nils voll und ganz an. Bei der Passform unterscheiden sich Tempus und Shift 3 hingegen insbesondere im Bereich der Zehenbox deutlich.Der Tempus verfügt über die deutlich geräumigere Zehenbox – nicht zuletzt aufgrund des im Vorfußbereich angenehm weichen Obermaterials. Der Shift 3 ist in der Zehenbox hingegen wie im Review ausführlich geschildert (aus meiner Sicht leider) recht eng, was nicht nur an der recht spitz zulaufenden Passform sondern vor allem auch an der sehr festen äußeren Duo-Mesh-Schicht liegt, die über keinerlei Stretch verfügt. Ob man dies mag oder nicht ist wie so oft Geschmackssache bzw. abhängig von der individuellen Fußform. Beide größengerecht in EU 44 / US-10. 

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https://www.youtube.com/watch?v=videoseries

Die Laufbiographien aller RTR-Tester könnt ihr hier lesen. 

Die Schuhe, die Grundlage dieses Tests sind, wurden uns von Saucony kostenlos zur Verfügung gestellt. Die dargestellten Meinungen sind unsere eigenen.

 

Wir freuen uns über Kommentare und Fragen in der Kommentarrubrik.

Um bestmöglich auf eure Fragen einzugehen, nennt nach Möglichkeit euer Laufpensum, Geschwindigkeiten, Renndistanzen und eure aktuellen Schuhe.

 

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