ASICS Metaspeed Sky+ – Ist mehr auch besser? (German)

Article by Nils Scharff

ASICS Metaspeed Sky+ (250€)

Einleitung

Ich liebe den ASICS Metaspeed Sky! Ich bin letztes Jahr 2x eine neue Marathonbestzeit in ASICS’ Marathonschuh gelaufen – dazu noch persönliche Rekorde über 10km und die Halbmarathondistanz. Schweren Herzens musste ich mich dann für meinen Frühjahrsmarathon in Kopenhagen für ein Konkurrenzprodukt entscheiden – denn mein Testpaar hatte ich einfach mittlerweile durchgelaufen und der beliebte Schuh war in meiner Größe einfach überall vergriffen. Doch nun legt ASICS pünktlich zu den anstehenden Leichtathletikweltmeisterschaften in Oregon nach! Der ASICS Metaspeed Sky+ und sein Zwilling der Metaspeed Edge+ wurden letzten Monat im Rahmen eines Launchevents – den Meta-Timetrials – im spanischen Malaga vorgestellt, währenddessen diverse ASICS Athleten und Athletinnen bewiesen haben, dass man in diesen Schuhen auf jeden Fall schnell laufen kann. Die Zeichen stehen also gut, dass die Designer bei ASICS mit meinem Lieblingsschuh des letzten Jahres nicht zu viel Schabernack getrieben haben. Tatsächlich seien die Änderungen so gering, dass man sich entschieden habe lediglich das Plus (+) an den bisherigen Produktnamen zu hängen, statt eine zweite Iteration auszurufen. Was sich alles geändert hat, ob es sich trotzdem lohnt in den ASICS Metaspeed Sky+ zu investieren und wie er sich an den Füßen von Amateuren wie mir schlägt, könnt ihr in der Folge herausfinden.

Pro:

Genauso wie der Vorgänger eine der besten Wettkampfoptionen auf dem Markt!

Energierückgewinnung und Lebendigkeit unterm Fuß sind unschlagbar und nochmal leicht besser als beim Vorgänger!

Toller Cruiser auf der Langstrecke!

Das Obermaterial ist etwas weicher und bequemer geworden!

Das “Mehr” an Schaum im Vorfußbereich ist deutlich spürbar – dadurch bietet der Sky mehr Dämpfung, Stabilität und Bounce im Vorfuß!

Der steilere Rocker im Vorfuß verstärkt Bounce und Abrollgefühl im Vorfuß nochmal deutlicher!

Herausragende Außensohle!

Die Zehenbox ist höher als beim Vorgänger und stellt somit keine Gefahr mehr für die Zehennägel dar!

Leicht!

Contra:

Für mich etwas zu viel Volumen im Obermaterial – dadurch entstehen (nicht weiter störende) Falten beim schnüren!

Auf der Kurzstrecke funktioniert der Vorgänger für mich ggfs. etwas besser!

Etwas schwerer als der Vorgänger!

Tester: Nils Scharff

Ich bin 32 Jahre jung, gebürtig aus Kassel, verheiratet mit einer wunderbaren Ehefrau und mache seit mittlerweile 6 Jahren Heilbronn und seine umliegenden Weinberge laufend unsicher. Ich habe schon mein ganzes Leben lang alle möglichen Sportarten betrieben, oft 5-7 Mal die Woche. Neben dem Laufen sind seit einigen Jahren das Klettern und Bouldern meine Sportarten. Als Läufer sehe ich mich seit erst drei Jahren. Begonnen hat alles mit einem Firmenlauf, in den ich nicht ganz unvorbereitet starten wollte. Ab dem Punkt habe ich einfach nicht mehr aufgehört. In 2017 waren es „nur“ knapp 1000 Laufkilometer, in 2018 das Doppelte, 2019 schon das Dreifache. Wichtig während all dieser Kilometer sind mir, egal ob auf Trail oder Straße, vor allem das Abschalten und die Bewegung in der Natur. Auf dem Laufband oder mit Kopfhörern werdet ihr mich nur sehr selten antreffen. Ich bin in der Zwischenzeit acht Marathons gelaufen, die PB von 2:52:38h habe ich dieses Frühjahr in Kopenhagen aufgestellt. Im Wettkampf laufe ich grundsätzlich alle Distanzen von 5km (17:32min), 10km (36:15min) über Halbmarathon (1:19:35h) bis eben zum Marathon.

Daten

Gewicht:

  Offiziell: 205g (Herren US9)

  Testschuh: 217g (Herren EU 44,5 / US 10.5)

Sprengung: 5mm (39mm Ferse / 34mm Vorfuß)

Release: erhältlich ab 14.06. im Fachhandel für 250€

Erster Eindruck und Passform

Ich fand ja den ersten ASIS Metaspeed Sky optisch schon ziemlich gelungen. Doch die Releasefarbe des Sky+ setzt nochmal einen drauf! Der Farbverlauf von türkisgrün (velvet pines) zu neongelb (safety yellow) sieht einfach nur hammer aus! Passenderweise scheinen die Farben der Stadt Oregon grün und gelb zu sein – hier wurde also alles auf die im Juli anstehenden Weltmeisterschaften getrimmt. Mir solls recht sein.

Der leuchtende Schuh kommt übrigens im unauffälligen ASICS Standardkarton und nicht mehr wie letztes Jahr in einer Hochglanzverpackung. Das ist sehr löblich, setzt dieser doch hohe Standards in Sachen Recycling.

Rein optisch fällt ansonsten direkt ins Auge, dass der Vorfuß irgendwie breiter als beim Vorgänger aussieht. ASICS bestätigt dies – 4% mehr Schaum sollen für ein federndes Gefühl im Vorfuß sorgen – mehr dazu später.

Davon abgesehen ist mit dem bloßen Auge kaum eine Änderung von Sky zu Sky+ ersichtlich. Erst beim anfassen und hineinschlüpfen wird dann klar, dass man in Sachen Obermaterial nochmal einen Schritt nach vorn gemacht hat. Das verwendete Mesh ist weicher und bequemer am Fuß. Zudem ist die Zehenbox etwas höher gestaltet – da mich der Metaspeed Sky trotz aller Liebe zwei Zehennägel gekostet hat, ist das eine sehr willkommene Änderung!

Die Passform scheint sich wie bei allen ASICS Modellen auch etwas harmonisiert zu haben. Ich trage bei fast allen Marken eine US 10.5 / EUR 44.5. Diese passt beim Metaspeed Sky+ jetzt größenecht, während ich beim Vorgänger noch in EUR 44 unterwegs war.. Vor- und Mittelfuß sind für einen Wettkampfschuh angenehm weit, sodass hier viele Füße glücklich werden sollten. Ich persönlich habe fast schon etwas zu viel Luft für meinen eher schmalen Fuß. Doch das Material lässt sich mit Hilfe der schönen, gerippten Schnürsenkel trotzdem sicher verschnüren. Insgesamt macht das alles ziemlich Lust auf den ersten Lauf im ASICS Metaspeed Sky+!

Obermaterial

So wie schon das Obermaterial des Metaspeed Sky eine Evolution des Metaracers war, ist auch jetzt die Ähnlichkeit im neuen Metaspeed Sky+ frappierend. Das Grundmaterial ist wie schon im letzten Jahr ein durchsichtiges Meshmaterial, das man vermutlich kaum atmungsaktiver gestalten kann. Ebenso finden sich die aufgenähten Querverstrebungen auf der Außenseite wieder, die dem Material Struktur und Robustheit verleihen. Doch diese Verstrebungen sind im Sky+ schmaler geworden. Vor allem über dem Vorfuß kommt mehr des durchscheinenden Grundmaterials zur Geltung. Dadurch ist das ganze Obermaterial weniger steif und schmiegt sich angenehmer an den Fuß – insgesamt also eine sehr gelungene Überarbeitung.

Zusätzliche, verstärkende Schichten sind übrigens keine auf dem Obermaterial angebracht. Ein weicher Zehenschutz ist die einzige Ausnahme. Dieser ist innenliegend und leicht gummiartig. Da ich jedoch sowieso nicht empfehlen würde den ASICS Metaspeed Sky+ barfuß zu laufen, macht die Materialwahl an dieser Stelle keinen Unterschied.

Die Polsterung um Ferse und Einstieg ist in ihrer Ausprägung identisch zum Vorgängermodell. Hier ist genau so viel vorhanden wie man braucht – nicht mehr und nicht weniger. Doch auch hier fühlt sich der Liner über der Polsterung etwas feiner und glatter an – auch die Fersenpolsterung wirkt somit hochwertiger und angenehmer. Auch die Wirkung ist entsprechend: Wo ich im letztjährigen Sky noch präventiv Blasenpflaster an den Fersen aufbringen musste, ist dieses Problem im Sky+ verschwunden.

Geändert hat sich im hinteren Bereich des Schuhs die Fersenkappe – sofern man denn überhaupt von einer expliziten Kappe sprechen kann. Aber der Fersenbereich ist auf jeden Fall steifer und bietet so mehr Halt und Stabilität. Eine kleine, aber sehr willkommene Neuerung!

Die Zunge des Metaspeed Sky+ besteht aus einer hauchdünnen Schicht aus einem suedeartigen Materials. Unangenehmer Druck durch die Schnürsenkel ist trotzdem nicht zu spüren und das obwohl ich den Schuh vor allem im Vorfuß ganz schön zusammenschnüren muss. Der Lockdown in Vor- und Mittelfußbereich ist trotzdem 1a und auch das leichte zusammenstauchen des Materials hat zu keinerlei Performance- oder Komforteinbußen geführt. Gleichzeitig ist mehr als genug Platz für breitere Füße, ASICS scheint hier also genau den richtigen Weg gegangen zu sein.

Stichwort Schnürsenkel: Ich war ja schon Fan der gewachsten Variante vom letzten Jahr. Aber die nun zum Einsatz kommenden gezahnten oder geriffelten Senkel sind die besten, die ich je in einem Laufschuh hatte. Einzige Ausnahme: Der Nike Alphafly, denn der nutzt genau die gleichen.

Zu guter letzt sei gesagt, dass die Zehenbox des ASICS Metaspeed Sky+ etwas höher geschnitten ist, als noch beim Vorgängermodell. Da ich nicht der einzige unserer Tester war, der einen Zehennagel an den Metaspeed Sky (1) verloren hat, war das auch notwendig. Schwarze Zehen inklusive etwaiger Verluste sollten damit der Vergangenheit angehören.

Exkurs: Schrittlänge und -Frequenz

Schon im letzten Jahr hat ASICS mit der Einführung von Metaspeed Sky und Edge die These aufgestellt, dass es grundsätzlich zwei verschiedene Läufertypen gibt: ASICS nennt diese Stride-Style-Runners und Cadence-Style-Runners. Diese beiden Typen sollen sich darin unterscheiden, wie sich ihre Schrittlänge und -Frequenz verändert, wenn sie ihr Lauftempo erhöhen. Stride-Style-Läufer verlängern ihre Schrittlänge dabei überproportional im Vergleich zur Schrittfrequenz, während Cadence-Style-Läufer die Schrittlänge zwar auch erhöhen, jedoch in einem ähnlichen Verhältnis wie sich ihre Schrittfrequenz verändert.

Der ASICS Metaspeed Sky+ mit seiner hohen Dämpfungshöhe, dem aggressiven Rockerdesign, der relativ geringen Sprengung und dem starken “Bounceeffekt” im Vorfuß sei besser für Stride-Style-Läufer geeignet und speziell für diese entwickelt.

Ein Gegenstück für Cadence-Style-Läufer ist natürlich die logische Konsequenz. Dieses heißt Metaspeed Edge+ und ich hoffe natürlich, dass ASICS mir auch die zweite Rakete im Arsenal für einen Vergleichstest zur Verfügung stellen wird. Dieses Jahr scheint dieser Vergleich umso interessanter, da vor allem der Edge massiv überarbeitet und auf das gleiche Dämpfungslevel wie der Sky gebracht wurde. Während letztes Jahr also oftmals noch der Sky als Langstreckenoption und der Edge für die Kurzstrecke interpretiert wurde, ist die Nachricht diesmal ganz klar: Hier gibt es zwei gleichwertige Wettkampfschuhe für unterschiedliche Läufertypen. Nike macht ja mit Vaporfly und Alphafly im Prinzip nichts anderes (dazu später mehr), auch wenn die Marke mit dem Swoosh nie einen Grund für die unterschiedlichen Modelllinien kommuniziert hat.

Mittelsohle

Auf dem Papier ändert sich erstmal nicht viel an der Mittelsohle des ASICS Metaspeed Sky+. Genau wie im letzten Jahr kommt ASICS’ FlyteFoam Turbo Material zum Einsatz. Auch wenn ASICS das nirgends sagt, handelt es sich dabei auch chemischer Sicht mutmaßlich um einen PEBA-Schaum (Polyetherblockamid). Dafür spricht nicht nur der unverwechselbare Geruch sondern auch die haptische Anmutung, Laufgefühl- und tatsächlich Geräusch. Dieser ist also sehr vergleichbar mit Konkurrenzprodukten wie bspw. Nikes ZoomX oder Sauconys PWRRUN PB. Laut ASICS bietet FFTurbo hervorragende Eigenschaften in Sachen Gewicht, Bounce und Energierückgewinnung und das kann ich nach nunmehr über 60km im Metaspeed Sky+ nur bestätigen.

Auch das Level an Dämpfung im Metaspeed Sky+ bleibt gleich. ASICS gönnt uns Läufern 34mm des tollen Dämpfungsschaums im Vorfuß und 39mm im Fersenbereich mit den daraus resultierenden 5mm Sprengung. Damit bewegt man sich am oberen Ende dessen, was der Weltleichtathletikverband im Profibereich erlaubt, um den Athleten maximalen Schutz und Performance zu bieten.

Doch ihr ahnt es bei meinen einleitenden Worten vermutlich schon: Der Teufel steckt hier im Detail! ASICS Nachforschungen haben ergeben, dass die angesprochene Differenzierung zwischen Stride- und Cadencestyle Läufern noch ausgeprägter ausfallen sollte. Und genau daran hat man mit den beiden Plus-Modellen gearbeitet. Durch eine veränderte Platzierung der Karbonfaserplatte und einer entsprechend angepassten Verteilung des Mittelsohlenschaums, sollen die Spezifika der beiden Modelle und damit die Eignung für eben Stride- oder Cadencestyle-Läufer noch besser herausgearbeitet werden.

Für den Metaspeed Sky+ bedeutet dies, dass die Platte näher an den Fuß des Läufers heranrückt, gleichzeitig aber mehr Schaum im Vorfußbereich unter der Platte platziert wird. Dadurch kann der Dämpfungsschaum besser komprimiert und so mehr Bounce erzeugt werden – in der Folge wird so also die Schrittlänge des Stridestyle-Läufers noch weiter vergrößert. Ein bisschen plakativ kann man sagen, dass man versucht hier auf die eigene Art und Weise den Nike Alphafly mit seiner extremen Sprungkraft im Vorfuß nachzuahmen. Das wird dem immensen Entwicklungsaufwand der japanischen Ingenieure zwar bei weitem nicht gerecht, wer jedoch schon mal einen Alphafly gesehen hat oder gelaufen ist, weiß was ich meine.

Es gibt nun also mehr Schaum im ASCIS Metaspeed Sky+. 4% mehr um genau zu sein. Diese vier Prozent sind fast ausschließlich im Vorfußbereich untergekommen. Der steilere Abrollwinkel im Vorfuß trägt dazu genauso bei, wie die leichte Verbreiterung der Mittelsohle. Die ganze Sohlengeometrie ist damit nochmal aggressiver geworden und stärker auf den Vorfußlauf ausgelegt.

Zudem hat sich die Führungskerbe auf der Unterseite der Mittelsohle leicht verschoben. Diese ist von der Ferse weg und weiter in Richtung Mittelfuß gerückt. Ich mutmaße, dass so die Kompressionsmöglichkeiten des Schaums für den Vor- und Mittelfußläufer nochmals optimiert werden. Wie Fersenläufer im Sky+ zurechtkommen, kann ich leider nicht beurteilen. Ich vermute jedoch, dass der neue Edge+ da die bessere Wahl wäre.

Außensohle

Ebenso wie die Mittel- hat sich auch die Außensohle des ASICS Metaspeed Sky+ auf den ersten Blick im Vergleich zum letzten Jahr kaum verändert. Und das ist gut, denn der Vorgänger hatte eine der besten Außensohlen aller Marathonracer.

Die Außensohle des ASICS Metaspeed Sky+ besteht jedoch nun aus drei und nicht mehr zwei unterschiedlichen Materialien. Da ist zum einen Im Fersenbereich das entblößte  Mittelsohlenmaterial FlyteFoam Turbo. Klar, hier gibt es etwas Verschleiß und Abrieb, ich kann jedoch nach über 300km im Metaspeed Sky (1) sagen, dass das keinerlei Einfluss auf die Performance des Schuhs hat. Das wird auch im Sky+ genauso sein.

Zum zweiten ist da die Außensohle im Vorfußbereich, die nach wie vor aus ASICSGRIP besteht. Die profilbildenden Ausschnitte sind dort im Vergleich zum Vorgänger etwas gewachsen – das Konzept ist aber gleich. Hier wird gleichzeitig Gewicht gespart und Traktion erzeugt. So wünscht man sich das. Zudem ist der Ausschnitt im Mittelfußbereich etwas größer geworden, um dort mehr Platz für die veränderte Führungskerbe zu schaffen.

Mein Drucktest mit dem Fingernagel sagt mir, dass die dieses Jahr verwendete Gummimischung etwas härter zu sein scheint, als das was ASICS im Vorgängermodell genutzt hat. Das verwundert mich etwas, da ich im Metaspeed Sky wie gesagt weder Traktions- noch Haltbarkeitsprobleme hatte. Vielleicht liegt das an den allgegenwärtigen Supply Chain Problemen? Festeres Gummi könnte im Umkehrschluss jedenfalls eine etwas schlechtere Performance auf nassem Untergrund bedeuten. Doch nachdem es direkt bei meinem Jungfernlauf beim Würzburgmarathon zu Beginn geregnet hat, kann ich diesbezüglich Entwarnung geben.

Zu guter letzt gibt es auf der medialen Seite des Fersenbereichs nun einen weißen, statt wie bisher einen schwarzen Gummistreifen. Dieser scheint überraschenderweise weicher als der schwarze Gummianteil zu sein. Ich hätte eher das Gegenteil erwartet, da es sich hier um eine prädestinierte Stelle für hohen Verschleiß handelt. Auswirkungen auf das Laufverhalten kann ich nicht feststellen.

Die Profilierung des Mittelsohlenschaums wird übrigens wie aus einem Guss auch auf dem zweiten Sohlenmaterial – ASICSGRIP – weitergezogen. Dort bilden sie zweifelsohne ein Teil des Profils. Tolle Detailtiefe!

Laufgefühl

So, nach viel Theorie rund um Stride- und Cadence-Style-Läufertypen, möchte ich natürlich auch berichten, wie sich der neue ASICS Metaspeed Sky+ am Fuß anfühlt. Da der Schuh zu Hause auf mich gewartet hat, als ich samstags aus dem Urlaub zurückgekommen bin, habe ich natürlich genau das gemacht, was man als Läufer nicht machen sollte: Ich bin Sonntag morgens direkt einen Wettkampf im Metaspeed Sky+ gelaufen – “Out of the box” – ohne jegliches Einlaufen.

Zugegebenermaßen war der Würzburg-Halbmarathon kein A-Rennen für mich. Ich hab mich spontan angemeldet, weil mein Schwager dort den ersten Halbmarathon seines Lebens angegangen ist. Gerade Mal zwei Wochen nach dem Kopenhagen Marathon und direkt aus dem alpinen Wanderurlaub kommend, waren die Beine von vornherein sehr, sehr müde. Mir dessen vollkommen bewusst, bin ich die ersten Kilometer trotzdem auf Bestzeit-Pace (ca. 3:40min/km) angegangen – ich wollte ja den neuen Schuh ordentlich testen. 

Und was soll ich sagen? Auf dieser Halbmarathon-Geschwindigkeit hat der ASICS Metaspeed Sky+ einen riesen Spaß gemacht! Das ging so weit, dass ich mir trotz nicht gerade schneller Strecke und windigen Verhältnissen noch bis ca. zur Hälfte tatsächlich Hoffnung auf eine neue PB gemacht habe. Halt, Lockdown und Stabilität des Schuhs haben selbst in kurvigen Abschnitten und teilweise auf Kopfsteinpflaster nie etwas zu wünschen übrig gelassen. Vor allem die Stabilität hat sich durch den breiteren Vorfuß und die festere Fersenkappe im Vergleich zum Vorgänger verbessert. Der besagte Bounce im Vorfuß war zudem deutlichst zu spüren, hat für Vortrieb gesorgt und Lust auf Geschwindigkeit gemacht.

Leider war dann etwa bei der Hälfte wirklich der Akku in meinen Beinen leer – das kam sozusagen mit Ansage. Deshalb habe ich mich auch nicht groß geärgert, stattdessen einen Gang herunter geschaltet und die zweite Hälfte etwa auf Marathonpace (4:00min/km) zu Ende gebracht. Hier ging es dann auch nicht mehr darum das letzte herauszuholen, sondern Spaß mit den Mitläufern und dem Publikum zu haben und bis ins Ziel zu cruisen. Und dabei konnte ich feststellen, dass der ASICS Metaspeed Sky+ das hevorragend kann: Cruisen irgendwo zwischen Marathon- und Halbmarathonpace. Am Ende stand mit 1:23h noch eine passable Leistung auf dem Zettel und ein erster Lauf im Metaspeed Sky+ an den ich mich gern erinnere.

In der Zwischenzeit konnte ich noch einige Läufe mehr im Sky+ abspulen und auch einen Direktvergleich zum Vorgänger anstellen. Dabei gab es noch einige weitere Erkenntnisse:

Zum einen hat der ASICS Metaspeed Sky+ für mich persönlich zwei “Sweetspots” in Sachen Geschwindigkeit. Der erste ist das gerade beschriebene Cruisen irgendwo zwischen Halbmarathon und Marathonpace. Für mich mit meinem aktuellen Trainingslevel und meinem Vor- bis Mittelfußlauf bedeutet dies in etwa 3:40min bis 4min auf den Kilometer. Hier ist der Bounce des explizit darauf ausgelegten Vorfußes deutlichst zu spüren und der Vergleich zum Nike Alphafly mit seinen im Vorfuß platzierten Airpods drängt sich auf. Mein späterer Longrun-Test hat passend zu diesem Vergleich gezeigt, dass der Sky+ ähnlich wie der Alphafly nun auch besser auf etwas langsameren Geschwindigkeiten funktioniert.

Der zweite Sweetspot liegt für mich dann dort, wo ich kaum mehr schnelller laufen kann. Also bei einer Geschwindigkeit die ich bei Wettkämpfen von 5km oder kürzer angehen würde (etwa 3:20min/km oder schneller). In dieser Geschwindigkeit laufe ich rein über den Vorfuß und der steile Winkel des Vorfuß-Rockers kommt vollends zum greifen. Auch hier macht der Metaspeed Sky+ einen riesen Spaß – Der Schuh und ich passen unter diesen Voraussetzungen bestens zusammen.

Wo wir leider nicht gut zusammenpassen ist genau zwischen diesen beiden Schokoladenseiten des Pace-Spektrums. Das was ich als 10km Wettkampfgeschwindigkeit bezeichnen würde (etwa 3:30min/km) fühlt sich im Sky+ irgendwie falsch an. Als ob ich gern mehr über den Vorfuß laufen würde, aber der Schuh es nicht zulässt. Oder anders: Als ob ich zu weit hinten “im Schuh stehe” und so nahezu eine negative Sprengung zu Stande kommt. Ich kann nicht so genau erklären woran das liegt, will euch aber natürlich an dieser Beobachtung teilhaben lassen. Ich kann nur vermuten, dass ich im einen Sweetspot eher auf dem Mittelfuß laufe, im anderen rein auf dem Vorfuß. Und der tote Punkt kommt dann irgendwo genau dazwischen zur Geltung, wo Schuh und Körper irgendwie unterschiedliche Meinungen zum korrekten Laufstil haben.

Ich konnte im direkten Vergleich mit dem letztjährigen Metaspeed Sky feststellen, dass dieser mir nicht dieses On/Off-Gefühl vermittelt, sondern für mich auf allen Geschwindigkeiten gleich gut funktioniert. Dafür sind jedoch Bounce und Vortrieb sowohl am schnellen, als auch am langsameren Ende meines Wettkampfspektrums etwas weniger ausgeprägt als beim Sky+.

Ebenso spürbar ist die veränderte Platzierung der Platte. Der Metaspeed Sky+ fühlt sich trotz mehr Dämpfungsschaums im Vorfuß härter an als sein Vorgänger. Dies liegt daran, dass die Platte nach oben in Richtung Fußsohle gerückt ist, sich jetzt also weniger Schaum zwischen Fuß und Platte befindet. Das ist mir ohne den direkten Vergleich gar nicht aufgefallen. Mit je einem Metaspeed (+) an einem Fuß war der Unterschied jedoch deutlich und ehrlich gesagt beim Vorgängermodell etwas angenehmer.

Dafür kann der Sky+ in Sachen Komfort beim Obermaterial deutlich Punkten. Alles ist etwas weicher und bequemer, was genau in die Richtung des Langstrecken-Cruisers für die halbe oder ganze Marathondistanz tendiert. Dafür kann man das robustere Material des ersten Metaspeed Sky etwas besser festzurren, was mir persönlich etwas mehr Vertrauen gibt auf kürzeren Strecken richtig Gas zu geben.

Zusammenfassung und Empfehlung

Nachdem ich nun ziemlich ausführlich zum einen die Neuerungen, zum anderen aber auch meine persönlichen Erfahrungen mit dem ASICS Metaspeed Sky+ geschildert habe, bleibt schlussendlich die Frage: Hat ASICS meinen Lieblingsschuh des letzten Jahres noch weiter verbessern können? Oder wurde er eher verschlimmbessert? Letzteres kann ich zum Glück verneinen. Schlecht ist der Metaspeed Sky+ auf keinen Fall – ganz im Gegenteil. Er ist genauso wie sein Vorgänger eine der besten Optionen, die sich der Langstreckenläufer für die halbe oder volle Marathondistanz an die Füße ziehen kann. FlyteFoam Turbo ist nach wie vor eines von zwei S-Tier Dämpfungsmaterialien. Die Energierückgewinnung des Metaspeed Sky+  ist dementsprechend nach wie vor herausragend und wurde durch die veränderte Sohlengeometrie sogar noch einmal etwas verbessert. Der leicht verbesserte Bounce macht zudem gleich nochmal mehr Spaß. Gleichzeitig ist die Außensohle noch genauso gut wie letztes Jahr und eine der besten auf dem Markt und das hoch-atmungsaktive Obermaterial ist etwas bequemer geworden. Eine Eigenschaft die Gerade für den Marathon nicht außer Acht gelassen werden sollte. Für kürzere Strecken von 5-10km müsste ich wahrscheinlich zwischen Metaspeed 1 und 2 (bzw. +) eine Münze werfen. Für die Langstrecke hat ASICS sein Ziel jedoch erreicht und einen schon herausragenden Schuh noch einmal besser gemacht. Die einzige Frage, die jeder von euch jedoch noch mit sich und dem Laufschuhhändler eurer Wahl ausdiskutieren muss: Ist denn nun der Sky+ oder der Edge+ der richtige Schuh für euch?! Da stellt ASICS uns Läufer vor die Qual der Wahl, denn ich bin mir sicher, dass der Edge+ seinem Zwilling in nichts nachsteht.

Wertung: 9.53/10

Laufgefühl: 9.5 (50%) Passform: 9.5 (30%) Preisleistung: 9.5 (15%) Style: 10 (5%)

Es gibt kleine Abzüge für den toten Punkt auf meiner persönlichen Pace-Skala, etwas zu viel Material im Vorfuß und weil andere Hersteller es schaffen, ihre Wettkampfschuhe etwas günstiger anzubieten. Mehr habe ich am ASICS Metaspeed Sky+ nicht zu bemängeln.

Vergleiche

ASICS Metaspeed Sky+ vs. ASICS Metaspeed Sky (RTR German Review)

Dieser Vergleich hat sich durch den gesamten Test gezogen, also lest bitte weiter oben. In Kürze: Mehr Bounce und Komfort beim Sky+. Beide Schuhe 44,5 EUR.

ASICS Metaspeed Sky+ vs. Puma FAST-R Nitro Elite (RTR German Review)

Beide Schuhe haben herausragende Obermaterialien, die an Atmungsaktivität und Gewicht kaum zu toppen sind. Der FAST-R sitzt jedoch noch sicherer am Fuß und ist dabei sogar auch noch bequemer. In Sachen Effizienz sagt mir der Metaspeed mit seinen 5mm Sprengung etwas mehr zu – er passt einfach perfekt zu meinem Laufstil. Doch der FAST-R ist trotz weniger Bounce sehr nah dran. Preislich liegen beide Schuhe gleich auf, der Metaspeed wiegt jedoch gute 25 Gramm weniger. Wer auf jedes Gramm schaut und zudem vielleicht eher zu einer niedrigeren Sprengung neigt, wählt den ASICS. Wer eine höhere Sprengung bevorzugt, einfach einen bequemen (Super-) Schuh am Fuß haben möchte, oder technisch Anspruchsvolle Strecken laufen möchte, wählt den Puma. Beide Schuhe 44,5 EUR.

ASICS Metaspeed Sky+ vs. Nike Alphafly (RTR English Review)

Ich hab lange gebraucht, bis ich meine Füße das erste Mal in den Alphafly gesteckt habe. Doch als es im Winter nirgends mehr Metaspeeds zu bestellen gab, hab ich hier eine mindestens gleichwertige, wenn nicht sogar noch bessere Alternative gefunden. Beide Schuhe nutzen tolle atmungsaktive Obermaterialien mit gutem Halt für die Langstrecke. Wenn es etwas kurviger wird, hat der Sky+ jedoch leichte Vorteile. Bei der Außensohle liegt ASICSGRIP klar vorn. Doch kein anderer Schuh bietet so viel Bounce und entsprechend auch Spaß wie der Alphafly. Der Metaspeed Sky+ ist der einzige Schuh der für mich in Sachen Effizienz mithalten kann. Doch trotz verbessertem Bounce im Vorfuß ist der Trampolineffekt des Alphafly einfach nochmal krasser. Beide Schuhe sind sehr stabil gegen Überpronation. Beides sind sehr ähnlich Schuhe. Auf der Langstrecke würde ich mich vermutlich für den Alphafly entscheiden. Je kürzer das Rennen, desto eher liegt der Sky+ vorn. Beide 44,5 EUR.

 

ASICS Metaspeed Sky+ vs. adidas Adizero Adios Pro 2 (RTR German Review)

Beide Schuhe haben herausragende Obermaterialien, die an Atmungsaktivität und Gewicht kaum zu toppen sind. Und während im Vergleich zum Vorgänger der Adios noch der bequemere Schuh war, hat ASICS mit dem Sky+ an dieser Front gleichgezogen. Die Mittelsohle des Metaspeed mit ihren 5mm Sprengung kommt meinen Laufstil jedoch mehr entgegen und fühlt sich effizienter für mich an. Beim Metaspeed geht es mehr um Bounce im Vorfuß, beim adidas um schnelle Übergänge. Deshalb ist der Metaspeed für mich persönlich der bessere Schuh. Zudem wiegt er in meiner Größe fast 25 Gramm weniger, kostet aber auch 30€ mehr! Wer auf jedes Gramm schaut und zudem vielleicht eher zu einer niedrigeren Sprengung neigt, wählt den ASICS. Wer eine höhere Sprengung bevorzugt wählt den adidas. adidas 44 EUR, ASICS 44,5 EUR.

ASICS Metaspeed Sky+ vs. Saucony Endorphin Pro 2 (RTR German Review)

Der Endorphin Pro 2 ist stabiler im Vergleich zum ASICS, läuft sich etwas härter und nicht ganz so energetisch. Der festere EP2 macht sich seine Rocker-Geometrie stärker zunutze – es geht um schnelles Abrollen und nicht trampolinartiges Katapultieren. Der EP2 hat in Sachen Halt im Schuh ganz leicht die Nase vorn, passt jedoch vor allem an schmalere Füße. Die Außensohle ist beim ASICS um längen besser. Der Saucony sollte für Fersenläufer besser funktionieren, als der ASICS. Doch für mich fühlt sich der Sky+ einfach besser am Fuß an: Er ist nicht so ruppig zu Muskeln und Sehnen, ist fast genauso stabil und dabei irgendwie effizienter. Beide 44,5 EUR.

ASICS Metaspeed Sky+ vs. Nike Vaporflly Next % (RTR English Review)

Der Nike Next% ist für jeden Schuh mit Karbonfaserplatte die Messlatte. Doch der Metaspeed Sky+ kann nicht nur mithalten, sondern funktioniert für Stride-Style-Läufer wie mich sogar besser! Der Vaporfly ist weicher und sorgt mit seiner höheren Sprengung und dem früher greifenden Rocker für schnellere Übergänge. Dafür kann er jedoch in Sachen “Bounce” nicht ganz mit dem Sky+ mithalten. Der Sky+ hat zudem die besser Außensohle. Doch grundsätzlich geht es in diesem Vergleich um die von ASICS aufgeworfene Typ-Frage. Sky+ für Stride-Style-Läufer, Vaporfly für Cadence-Style-Läufer (oder vielleicht doch der Edge+?). Doch ich persönlich komme mit der Geometrie des ASICS besser zurecht, weshalb ich ihn in diesem Vergleich wählen würde. Beide 44,5 EUR.

Link zu allen RTR-Testberichten: HIER

YouTube Playlist mit englischsprachigen Laufschuhtests

https://www.youtube.com/watch?v=videoseries

Die Laufbiographien aller RTR-Tester könnt ihr hier lesen. 

Der Schuh, der Grundlage dieses Tests ist, wurde mir von ASICS kostenlos zur Verfügung gestellt. Die dargestellten Meinungen sind meine eigenen.

Ich freue mich über Kommentare und Fragen in der Kommentarrubrik.

Um bestmöglich auf eure Fragen einzugehen, nennt nach Möglichkeit euer Laufpensum, Geschwindigkeiten, Renndistanzen und eure aktuellen Schuhe.

 

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